Der Windhund und die Jagd - meine Erkenntnisse ! 
 
Den ersten Windhund, einen Whippet, sah ich vor Jahren in meiner Zeit als Tierarzthelferin. Mich hat seine elegante, schlanke und freundliche Art sehr angesprochen. Dieser Whippet durfte auf der Rennbahn laufen. Zu der Zeit wusste ich jedoch nicht, was eine Rennbahn war und so informierte ich mich, was es damit auf sich hat und als ich mich mit dem Renngeschehen vertraut gemacht hatte, fragte ich mich, wie so ein sanftes Wesen jagen kann! 
 
Es vergingen einige Jahre, bis ich wieder Kontakt zu einem Windhund bekam. 
 
Teseo, unser erster eigener Hund. Ein ausgedienter Greyhound, von einer Rennbahn aus Italien. Erst mit Teseo beschäftigte ich mich intensiv mit dem Wesen der Windhunde bzw. hauptsächlich der Greyhounds. Ich erfuhr von ihrer Lauffreude, von ihrer Geschwindigkeit, ihrer Jagdleidenschaft. Dann sah ich Teseo an und wie sanft er war, wie verängstigt, wie abhängig von uns. Im Haus war er sehr zurückhaltend und unaufdringlich. Wir fragten uns; kann so ein sanftes Wesen überhaupt jagen? Warum ist es fähig, zu jagen, zu hetzen, zu erlegen? 
 
Mit Teseo hatten wir Glück, denn er schien keine Ambitionen mehr auf die Jagd zu haben und wir waren sehr froh darüber. Doch 8 Wochen später zog Zama, unsere Greyhounddame bei uns ein. Und mit ihr erfuhren wir auch, was es heißt, einen Hund mit stark ausgeprägten Jagdtrieb zu halten. 
 
Zama ist ebenfalls eine ausgediente "Rennmaschine" aus Italien und sie wusste genau, wie es ging und sie wollte diesem Trieb auch nachgehen. 
 
Zama konnten wir damals zu keiner Zeit von der Leine lassen. Erst ein gutes halbes Jahr später hatten wir unsere ersten Versuche und einer davon endete in einer Jagd nach einem Hasen. Das es dazu kommen konnte, schreib ich auch unserer damals noch unerfahrenen Art des Spazierengehens zu. Unerfahren und unbedarft waren wir, unser Blick noch nicht so geübt evtl. Jagdobjekte vor den Hunden zu erspähen und auch nicht, wo sich potenzielle Beute aufhalten können. 
 
Mittlerweile wissen wir, wo wir mit Rehen und Hasen (Kaninchen) rechnen müssen und auch welche Tageszeit am wildreichsten ist. Ebenso kennen wir nun die Gebiete, in denen mit viel oder wenig Wild zu rechnen ist. Dies kann man nicht wissen, wenn man frischgebackener (Wind)Hundbesitzer ist. Dies ergibt sich erst in mind. einem Jahr Hundehaltung, auf den tagtäglichen Spaziergängen, die man mit seinem Hund in der Natur verbringt. Wo im Hochsommer oder im Winter vielleicht KEIN Wild ist, so ist es vielleicht im Frühjahr genau dort zu finden. Seinen Hund, den man immer dort hat laufen lassen können, muss man plötzlich an die Leine nehmen. 
 
Ich denke auch, das es falsch ist, zu sagen, dass man als Hundebesitzer nach einiger Zeit alles weiß. Nach über 6 Jahren muss ich bemerken, das mich meine Hunde immer wieder überraschen können. Denn auch sie entwickeln und verändern sich. 
 
Vor mehr als 3 Jahren zog dann Gitano bei uns ein. Ein junger Galgowelpe aus Spanien, jung, frech, frei und unbedarft. War er während seiner Welpenzeit doch sehr auf uns fixiert und konnte nahezu auf fast jeder Wiese frei rennen, so mussten wir von ihm lernen, dass sich aus einem kleinen Galgowelpen ein Junghund entwickelte, der Eigenständigkeit erlernte, Mut bekam und natürlich seine aufkeimende Neugierde stillen wollte. Und das auch er sich irgendwann von der "Junghundleine" des Zweibeiners lösen und seine eigenen Wege gehen wollte. Auch hier war die Ursache ein Hase, der uns nach 3 Jahren Greyhoundbesitz durch "die Lappen" gegangen war - wir haben ihn schlichtweg nicht gesehen. 
 

Wir hatten in dem Moment alle vier Hunde ohne Leine laufen. Teseo, Zama, unsere Galgopflegehündin Freila und Gitano. Teseo und Zama waren zu der Zeit beide gesundheitlich angeschlagen. Freila mehr oder weniger außer Form und Gitano knappe 7 Monate alt. Dennoch waren in dem Moment alle vier Hunde weg, als wenige Meter vor uns der Hase aufsprang und flüchtete. Teseo, zwei gebrochene Beine von der Rennbahn, gab zuerst auf. Er kam schnell wieder zu uns zurück. Zama, die sich gerade von einer schweren Bissverletzung erholte, hielt erstaunlich lang mit, doch dann überschlug sie sich und so hörte auch für sie die Jagd auf. Freila und Gitano folgten über die weiten Äcker dem Hase und ich bangte, das der Hase es schaffte. Sein Glück war, das Gitano noch nicht alt und somit schnell genug war. Dennoch folgte er nur knapp einen Meter hinter dem Hase. Freila blieb etwas weiter zurück, blieb aber dennoch hartnäckig dabei. Der Hase flüchtete in ein großes ehemaliges Militärgelände durch den Zaun und war in Sicherheit. Wir fanden dort unsere beiden Galgos wieder und hatten das Glück, in dem Gebiet weit weg von Straßen gewesen zu sein, denn wieder einmal zeigten uns die Hunde, welche gewaltigen Distanzen sie bei der Jagd in kürzester Zeit überwinden konnten. Ab da wussten wir, das nun auch in unserem kleinen "Kind" der Urtrieb des Windhundes erwacht war. Ab sofort hieß es auch hier; keine Freiheit immer und überall, sondern Sicherheit geht vor ! 
 
Den Urtrieb, dem leider allzu viele Windhundbesitzer zu wenig "Beachtung" schenken. Vielleicht, weil ihr Hund den Trieb weniger ausgeprägt aufzeigt, vielleicht, weil einfach bis dahin der Hund noch nicht lange genug im neuen Zuhause ist und somit nah am neuen "Herrchen" bleibt, vielleicht, weil man zu gerne möchte, das man einen Hund hat, der nicht jagen geht und somit die deutlichen Signale an ihm übersieht !!! 
 
Ich halte es für fahrlässig zu meinen, wenn man einen ausgedienten Jagdhund (z.b. Galgo aus Spanien) adoptiert, dass dieser Hund nun froh ist, nicht mehr jagen zu dürfen ! Das er glücklich ist, nun täglich sein Futter vorgesetzt zu bekommen, jeden Tag auf einer warmen Matte zu liegen, daß er seinen Urtrieb, den er seit Generationen vererbt bekommen hat, plötzlich einfach vergisst! Man sollte sich als Windhundbesitzer darüber im Klaren sein, daß, solange sie noch unsicher sind und sich das Rudel noch nicht gefestigt hat, sie nahe beim Besitzer bleiben. Sobald sie jedoch ihre Unsicherheit überwunden und ihren festen Platz im Rudel eingenommen habe, sie sich auch immer weiter vom Halter entfernen. Dieses kann bei Wildsichtung fatale Folgen haben und das sollte jeder Windhundbesitzer, bevor er den Karabiner der Leine löst, gut überdenken. 
 
Ein Jagdhund, der aus einer guten Linie kommt (und ehrlich - würde ein spanischer Jäger eine Niete verpaaren?), der vergisst nicht, das er ein Jagdhund ist, nur weil er plötzlich ein bequemeres, leichteres Leben führt. 
 
Selbst ein Windhund, der am Anfang keine Anzeichen von Jagdlust zeigt, hat seinen Urtrieb nicht abgestellt. Er ist vielleicht nur unsicher, weiß noch nicht, was sein neuer Besitzer von ihm erwartet und reagiert daher nicht auf flüchtendes Wild. Was nicht heißt, das dies immer so bleibt. Denn auch dieser Hund hat bald seinen Platz in dem neuen Rudel gefunden und wird zu seinem Ursprung zurückfinden. 
 
Ich selber hab einen solchen Fall daheim. Mona, unser bald 10 jähriges Galgomädel konnten wir recht schnell von der Leine lassen. Sie kam im September und im Oktober lief sie völlig problemlos frei. Welch Überraschung für uns, als sie nur wenige Wochen später leinenlos ihre wahre Bestimmung wieder entdeckte und plötzlich auf und davon war und das, obwohl kein Wild zu verfolgen war. Doch sie hatte eine Spur in der Nase und dieser ging sie nach ohne auf unsere Rufe zu achten bzw. das ich ihr auf den Fersen war. 
 
An da wußten wir, daß sich dieses jederzeit wiederholen kann, sobald wir sie von der Leine lassen. Dieses hat sie in 10 Jahre beim Jäger gelernt, warum soll sie es plötzlich nicht mehr tun - nur weil sie jetzt in Deutschland ist ? 
 
Dann gibt es unser Gitano, er ist für uns ein ganz besonderer Fall. Er kam zu uns, ohne vorher in seinem Herkunftsland Jagderfahrung sammeln zu können. Dennoch seh ich gerade an ihm, was es heißt, einen Windhund zu besitzen. Ein Hund, der aufgrund seiner Gene genau weiß, was es heißt zu hetzen ! Etwas, was er bis er 7 Monate alt war, niemals angezeigt hat, noch das es ihm jemand beigebracht hat, wurde urplötzlich geweckt und es konnte "nicht mehr abgestellt" werden. Gitano ist mit Leib und Seele ein Hund, der für sein Leben gerne hetzt ! 
 
Und was wir bei ihm festgestellt haben; er wird ein richtiger aggressiver Zeitgenosse, wenn er den Hetztrieb nicht ausleben darf. Diesem Umstand - finde ich, wird oft auch viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Einen Trieb, den man permanent unterdrückt .....und der sich auch nicht durch diverse "Alternativen des Hundesportes bzw. Hundespielzeugs" (wir haben fast alles versucht!) in eine andere Richtung lenken lässt .... ich lasse den Rest des Satzes offen, ich denke, jeder kann sich dazu Gedanken machen ! 
 
Ich bin nicht GENERELLER  Befürworter der Rennbahn oder des Coursings, aber ich bin sehr wohl der Meinung (und habe die Erfahrung machen müssen), daß es für manche Hunde eben nur DIESES Ventil gibt, um ihm seiner Veranlagung gemäß gerecht zu werden . Zum Thema Rennbahn und Coursing schreib ich hier weiter nichts, dazu gibt es schon allzu viele "Experten"- Meinungen. 
 
Ein kleiner Auszug aus der DWZRV-Seite (Deutscher Windhundzucht- und Rennverband -
http://www.rennhund.de/dwzrv/verband-07/ueber-uns.html
 
Gemeinsam ist allen, durch das – für Hunde – gute Sehvermögen, die Anlage, das Wild mit den Augen zu verfolgen und schnell zu erreichen. Dabei kann die Strecke bis zu Fang oder dem Stellen der Beute sich durchaus über einen oder auch mehrere Kilometer erstrecken, je nachdem, ob Gazellen in Stein- oder Sandwüste oder Hirsche im schottischen Hochland gejagt werden. Für dies Arbeit sind sie alle mit einem verhältnismässig leichten Körperbau ausgestattet, mit einem Brustkorb, der dennoch viel Raum bietet für Herz und Lunge für die Ausdauer, mit deutlich biegsamem aber gut bemuskeltem Rücken bei schmaler 'Taille' für die Wendigkeit, sowie mit – im Verhältnis zur Körperlänge - langen und stark bemuskelten Beinen und kräftigen Pfoten für die Schnelligkeit. 
 
Ich bin der Überzeugung, daß wenn ein Hund gesund ist (was unbedingt überprüft werden muss!) und genügend andere Lauf und Spielmöglichkeiten hat, man ihm das Hetzen nicht zwangsläufig verweigern muss. 
 
**Ein kranker Hund, oder einen Hund, dessen Körper nicht mehr der Belastung gewachsen und der nicht ausreichend trainiert ist, sollte keine Bahn buw. kein Coursinggelände sehen! Punkt!** 
 
Wer einen Windhund besitzt, der belächelt evtl. das Aufgebehren seines Hundes bei plötzlichen Wildsichtungen. Das Jaulen, das Bellen, das In-die-Leine-werfen, im Kreis drehen, in die Luft springen und man freut sich vielleicht auch über die Lebensfreude seines Hundes ?! 
 
Nun, die meisten Windhundbesitzer haben mehr als einen Windhund, was in Bezug auf den Jagdtrieb anders zu bewerten ist. Einen Hund zu bändigen bei Wildsichtung ist etwas ganz anderes, als wenn man plötzlich zwei, drei oder vier Hunde an der Leine hat, die unbedingt dem Hetzobjekt hinterher möchten. Diese zu bändigen erfordert nicht nur sämtliche körperlichen Kräfte, sondern auch das Wissen, wie die eigenen Hunde aufeinander reagieren. 
 
Für mich besonders erwähnenswert, selten aber vorkommend: 
 
Dass verweigern der gewünschten Hatz kann bei manchen Hunden zu einer Kurzschlussreaktion führen. Diese Erfahrung musste leider eine Internetbekannte aus einem Hundeforum machen. Ihre Hündin, die dem Wild hinterher wollte und nicht konnte, lies ihre Frust-Reaktion an ihrem Rudelmitglied aus. Sie zerfleischte in ihrer Aggression und Verzweiflung, nicht dem Wild hinterher zu dürfen, das neben ihr stehende Windhundmädchen. (Danke Heike für die Freigabe deines Erlebnisses !) 
 
Meistens bleibt es bei einem Aufbegehren und vielleicht auch bei einem kleinen Schnappen nach dem Nebenstehenden, aber manchmal vielleicht auch nicht ! Und ich bin mir sicher, auch Heike war sehr überrascht von dieser Reaktion, obwohl sie ihre Hunde gut kennt. 
 
Ich denke, dies zeigt ganz deutlich, zu was unsere lieben, sanften Wesen fähig sind. Dies ist kein Schlechtmachen der Windhunde, denn für mich sind sie einfach perfekte Wesen, sondern ich möchte, das man ihren Wert, ihre Seele, ihre Leidenschaft kennt und damit umzugehen weiß, denn nur dann, denke ich, sind die Überraschungen kleiner, die sie für uns immer wieder bereit halten. Und nur dann kann es eine langlebige und glückliche Beziehung geben. 
 
"Wer einmal einen Windhund jagen sieht - der weiß, zu was sie gezüchtet und fähig sind!" 
 
Für mich gibt es nur Windhunde ! Niemals mehr ohne! Greyhounds und Galgos sind meine Leidenschaft und ich liebe sie über alles, trotz dem oben genannten oder vielleicht gerade wegen dem eigenständigen Wesen. Man sagt den Windhunden nicht zu Unrecht nach, daß sie die katzenähnlichsten Hunde sind, eben wegen ihrer Eigenständigkeit. 
 
Ich respektiere, für was sie gezüchtet wurden, ich respektiere, was sie sind, ich achte ihre Seele und versuche sie nicht in etwas zu pressen, was sie nicht sind und sein wollen - Sofahunde und Repräsentationsobjekte.